Gutscheine machen nicht glücklich


Wenn man es schlau anstellt, kann man ganz schön sparen – bei der Anschaffung von Sachen, die man an sich nicht braucht.

Die meisten Leute, behauptete eine kürzlich veröffentlichte Studie, sind glücklicher mit selbst gekauften Sachen als mit Geschenken, die ja gern einmal haarscharf neben dem liegen, was man sich eigentlich gewünscht hätte. Abhilfe könnten Gutscheine verheißen: für Bratpfannen, für die Kosmetikerin, für zwei Tage im Wellnesshotel . . .

Aber da geht’s schon los. Das Heimtückische an Gutscheinen ist nämlich, dass sie irgendwann eingelöst werden müssen. Plötzlich muss man einen Termin für einen romantischen Abend zu zweit im Gourmetrestaurant finden – ob einem nun nach Romantik und Gourmet ist oder nicht. Plötzlich muss man sich für eine Pfanne entscheiden, obwohl man für jede Kochplattengröße schon zwei Stück hat. Plötzlich muss man schnell zur Gesichtsbehandlung, weil das Jahr, in dem der Gutschein gültig ist, nächste Woche rum ist, und dann kommt das ganze Programm mit Tiefencleansing und Ultraschallabrasion und Algenpackung und anschließend drei Tagen Zwangsurlaub, bis die peinliche allergische Reaktion wieder abgeschwollen ist.

Das Gutscheindrama spitzt sich zu, seitdem es die Rabatt- und Coupon-Aktionsplattformen im Internet gibt. Im Überschwang, sich selbst und dem Liebsten mal etwas Hübsches zu bescheren, und weil ja alles so unfassbar günstig ist, schießt man Anfängerkochen für Männer für 69 statt 245 Euro, Portugiesischkurse für 29 statt 139 Euro, und angesichts der möglichen Ersparnis von 1999 Euro denkt man kurz über Brustvergrößerung nach. Das Ende vom Lied ist, dass man mitten in der Woche drei verregnete Tage in Graz hinbringt, weil das Hotel nur 49 Euro kostet, aber der Gutschein abläuft. Zu dumm, dass so kurzfristig für den Flug 280 Euro fällig waren.

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Über kulturpflanze

Redakteursfossil bei der Stuttgarter Zeitung
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