Köln, Bahnhofsvorplatz, Silvester 2015

In der Neujahrsnacht wurden vor dem Kölner Hauptbahnhof Frauen eingekreist, bestohlen und teils aggressiv belästigt. Die Rede ist von mindestens einer Vergewaltigung. Zudem wurden Böller in die Menge geschossen. Aus einer Menge von tausend teils schwer alkoholisierten Männern sollen laut Polizei etwa vierzig an den Übergriffen beteiligt gewesen sein. Es liegen neunzig Anzeigen vor, es gab fünf Festnahmen, nachzuweisen ist lediglich Taschendiebstahl. Die Polizei hat den Bahnhofsvorplatz am Dom gegen 00.15 Uhr geräumt. Laut Zeugenaussagen waren die Männer nordafrikanischer oder arabischer Herkunft. Die Ermittler verorten die mutmaßlichen Täter im Umfeld der Antänzerbanden, die das ganze Jahr an touristisch beliebten Punkten der Kölner Innenstadt ihr Unwesen treiben.

Die Spitzen von Stadt, Land und Polizei zeigen sich entsetzt und sprechen von Taten “nie dagewesenen Ausmaßes” und einer “neuen Dimension”. Eine meiner Facebookfreundinnen aus der Region (wie ich Anfang fünfzig) beklagt den “Verlust heimatlicher Nestwärme” und “dieses Massenauftreten von Menschen, aggressiven Menschen, Menschen, die weder unsere Kultur, noch unsere Gesellschaft und unsere Gesetze respektieren oder akzeptieren”. Die Komentare unter ihrem Post legen nahe, dass all dies ursächlich auf Untätigkeit der Polizei gegenüber kriminellen Einwanderern, das Beschönigen der sogenannten Flüchtlingskrise in der medialen Wahrnehmung und andere Verfehlungen von “Multikulti” und Willkommenskultur zurückzuführen sei. Das ist meine Antwort:

“Nestwärme”? In der Silvesternacht im, vor dem oder rund um den Hauptbahnhof jeder beliebigen deutschen Großstadt? Wann genau soll das denn gewesen sein? Innenstädte, beliebte Aussichtspunkte, Partymeilen – all das sind doch spätestens seit Anfang der Neunziger Orte, die man an Silvester besser meidet, wenn man nicht massiv eingequetscht, angegröhlt oder mit Böllern beschossen werden will. Dass dieses allgemein akzeptierte “bürgerliche” Ausrasten in der Masse “fröhlich Feiernder” (= großteils Betrunkener und gern auch mal sexuell Enthemmter) gewöhnliche Kriminelle woher auch immer anzieht, ist doch kein Wunder. Köln hat offenkundig ein Bandenproblem, das muss bekämpft werden. Und hier sind offenkundig Dutzende von Frauen belästigt und misshandelt worden, das ist bestürzend und muss geahndet werden. Aber einen Mangel an Respekt, öffentlicher Ordnung und Sicherheit kannst du – beispielsweise – vor dem Kölner Hauptbahnhof immer dann beobachten, wenn “die Gesellschaft” einen Anlass zu eventhaftem Feiern sieht: zum Auftakt der Karnevalsession am 11.11., an Weiberfasnacht und sogar an manchen Abenden in der Advents-, sprich Weihnachtsmarktzeit. Zu solchen Zeiten – in Stuttgart wären das vielleicht eher die Wochen von Wasen oder Weindorf – empfinde ich schon lang keine “Nestwärme” mehr, jedenfalls nicht, wenn diese bedeuten soll, dass ich mich jederzeit angstlos überall im öffentlichen Raum aufhalte.
Was uns dadurch verloren geht, finde ich noch ein bisschen beunruhigender als die kriminelle Eskalation einer ohnedies eskalierten Situation wie jetzt in Köln.

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