Nachsicht…

Hass ist  eigentlich nie lustig, auch wenn ein paar Checker das behaupten. Andererseits: schön, dass wir keine  anderen Sorgen haben.

Schwabenhass – wenn schon der ehrwürdige „Sonntagsspaziergang“ des Deutschlandfunks  (Köln) sich davon zu einer Themenausgabe inspirieren lässt, muss es wirklich schlimm sein. Schließlich geistert der blöde Begriff schon so lang in der Berichterstattung über einschlägige Berliner Bezirke herum, dass er  sogar für die Belanglosigkeitswettbewerbe „Wort des Jahres“  und „Unwort des Jahres“ zu sehr müffelt. Aber dann kommt irgendein Bundestagsvizepräsident daher, meckert  mehr so schlesisch gefärbt was über die Gefährdung des schönen reinen Berlinisch, und schon geht’s wieder los. Und all das, was vor 25 Jahren   Albrecht Metzger, den Gründer der Kabaretttruppe  Schwabenoffensive, zu deren lustigen Nummern inspiriert hat, wird wieder durchs Dorf gejagt, bis es tot umfällt – um fortan als Zombie im Reich landsmannschaftlicher Verunglimpfung  herumzustapfen.

A propos Untote: die „Neue Zürcher Zeitung am Sonntag“ hat  in offenkundig satirischer Absicht, aber im Ergebnis schwer misslungen, ein paar Klischees über die Gegend versammelt, die die geizigen Schweizer so gern aufsuchen, weil sie da ganz  viel kriegen für ihr Geld. (Ich darf das nicht verlinken, weil das Lesen des Beitrags eigentlich koschtet.) Reagiert wird leider mit „Spätzleattacken“, was die ganze Verkommenheit der Verhältnisse zeigt. Mit Essen werfen, auf dem Trottoir?  Hallo! Das ist unschwäbisch!

Wir könnten natürlich die Spätzleschmeißerei begleiten mit  Beschimpfungen der promisken Rheinländer, der hochmütigen Hamburger, der hinterwäldlerischen Bayern, der sprachbehinderten Franken, Westfalen und Lausitzer,  der verschlagenen Sachsen, der wurstigen Hessen und der  von aller Welt und sich selbst vollkommen überschätzten Berliner. Aber mal im Ernst: wird das nicht allmählich peinlich für das Land der Dichter und Denker?

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